Frauen Union zu Gast in der Europastadt Görlitz - Zgorzelec
Reisegruppe der Frauen Union am Ufer der Neiße in Görlitz, im Hintergrund die polnische Schwesterstadt Zgorzelec.
Zurückgekehrt
von einer Fahrt nach Görlitz und dem östlichen Nachbarn Polen ist die
Reisegruppe der Frauen Union Ahaus, Heek und Legden. Nach einer langen Anreise
zeigte sich die alte Handelsstadt bei herrlichem Sonnenschein von ihrer
einladenen Seite. Görlitz – zweiter Sieger im Wettbewerb um die
Kulturhauptstadt Europas 2010. Vom DDR-Regime zum Abbruch bestimmt, zeigt sich
die heutige Altstadt mit ihren ca. 4000 denkmalge-schützten und nach der Wende
renovierten Häusern und Bauten im alten Glanz mit einer Vielzahl von
architektonischen Baustilen. Bei Gesprächen und Führungen erfuhren die
Teilnehmer von der wechselvollen Geschichte und Vergangenheit der Grenzstadt.
Getrennt durch die Neiße liegt auf der polnischen Seite die Stadt Zgorzelec. In
einer Gesprächsrunde mit einer polnischen Kommunalpolitikerin erfuhr die Reisegruppe,
dass man sich seit dem Beitritt Polens zur EU auf beiden Seiten bemüht, die
Zukunft gemeinsam zu gestalten, sei es im wirtschaftlichen oder kulturellen
Bereich.
Ein Beispiel
für ein gelungenes Miteinander zeigte sich beim Besuch des deutsch-polnischen
Kulturzentrums auf Schloss Lomnitz in Polen. Die „Schlossherrin“ Elisabeth von
Küster berichtete im persönlichen Gespräch über den Wiedererwerb des
großväterlichen Besitzes. Mit viel Engagement, großer Leidenschaft und den vor
allen Dingen notwendigen finanziellen Mitteln ist der Familie die
Wiederherrichtung des Schlosses mit einem dazugehörigen Gutshof gelungen.
Kontrastreich hierzu war der Besuch bei der Künstlerin Wanda Stokwisz. Auch sie
versucht mit tatkräftiger Unterstützung ihres Mannes sowie deutscher und
polnischer Freunde ein vom Verfall bedrohtes Schloss bzw. Herrenhaus zu retten.
Aufgrund der finanziell
nicht so üppigen Lage, vollzieht sich der Wiederaufbau
eher mühsam und schleppend. Engagement und Leidenschaft, sie spricht von „Liebe
auf den ersten Blick“ bei ihrem Schloss, sind aber auch hier genauso vorhanden.
Weiterer
Programmpunkt war eine Besichtigung der Stadt Bautzen, vielen bekannt als
Lieferant von Bautzener Senf. Bei einem Besuch in der Gedenkstätte Bautzen
wurden die Teilnehmer aber auch mit der nicht so rühmlichen Vergangenheit,
nämlich den Bautzener Haftanstalten: Bautzen I, genannt das gelbe Elend, und
Bautzen II konfrontiert. Zur Zeit des Nationalsozialismus wurden hier
politische Gegner des Regimes inhaftiert, nach dem zweiten Weltkrieg dienten
sie der sowjetischen Besatzungsmacht als Lager und ab 1950 der deutschen
Volkspolizei bzw. dem Ministerium des Innern. Bautzen II, inmitten einer
Wohnsiedlung gelegen, erlangte als Stasi-Gefängnis für Gegner bzw. Feinde der
DDR traurige Berühmtheit. Nach dem Ende der DDR bemüht sich ein Komitee mit der
Erforschung und Aufarbeitung der Verbrechen unter kommunistischer
Gewaltherrschaft und will so die Erinnerung an das Leid vieler unschuldiger
Opfer bewahren. Nachdenklich stimmte der Rundgang durch die Gedenkstätte, wobei
man sich annähernd ein Bild von den Haftbedingungen und der Willkür machen
konnte.
Bei der
anschließenden Stadtbesichtigung in Bautzen, auch hier zeigten sich die
mittelalterlichen Häuser frisch renoviert, berichtete der Führer neben vielen
Anekdoten über ein Beispiel für praktizierte Ökumene: und zwar wird hier eine
Kirche bereits schon seit mehreren hundert Jahren von katholischen und
evangelischen Christen gemeinsam genutzt.
Am letzten
Abend galt der Dank der guten Organisation und den interessanten, vielfältigen Begegnungen
mit Menschen aus dieser Region. Ein wenig müde aber voll mit neuen Eindrücken
über die östlichste Stadt Deutschlands und die deutsch-polnische Grenzregion
kehrte die Reisegruppe nach Ahaus, in ihre deutsch-niederländische Heimat,
zurück.



